Ostara - Ursprung, Mythen, Várblót und moderne Feierlichkeiten

Ostara - Ursprung, Mythen, Várblót und moderne Feierlichkeiten

Eines vorab: 

Ostara ist ein sehr umstrittenes Fest, dessen Ursprung nicht eindeutig belegt ist und das oft mit spekulativen oder neuzeitlichen Interpretationen in Verbindung gebracht wird.

Trotz der umstrittenen Herkunft von Ostara wollen wir das Fest genauer betrachten und in die Mythen eintauchen, die sich darum ranken. Woher kommt Ostara? Welche Rolle spielte es in der Geschichte? Was hat Ostara mit Várblót zu tun? Und welche Ähnlichkeiten gibt es mit anderen Frühlingsfesten? Tauchen wir ein in die faszinierende Welt dieses uralten Festes.

 

1. Die Bedeutung des Namens „Ostara“

Ostara ist einer der acht Jahreskreisfeste im keltischen Jahreskreis und wird zur  Frühlingstagundnachtgleiche gefeiert. Es ist ein Fest der Fruchtbarkeit, des Lichts und des Neubeginns. Die Natur erwacht aus dem Winterschlaf, und das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit bringt neue Energie mit sich.

  • Der Name Ostara wird oft mit der altgermanischen Göttin Eostre in Verbindung gebracht.
  • Eostre soll eine Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin gewesen sein, die mit Morgenröte, Licht und Erneuerung assoziiert wurde.
  • Es gibt jedoch nur eine einzige historische Erwähnung – durch Beda Venerabilis im 8. Jahrhundert.

Etymologische Bedeutung

  • Eostre ist verwandt mit dem altenglischen Ēastre , aus dem später Easter (Ostern) wurde.
  • Der Wortstamm aus- oder east- bedeutet „Morgenröte“ oder „Osten“.
  • Die aufgehende Sonne symbolisiert den Neubeginn des Frühlings.

Grimms Einfluss auf das Ostara Bild

  • Jacob Grimm (19. Jh.) griff Bedas Bericht über Eostre in Deutsche Mythologie (1835) auf.
  • Er spekulierte über eine germanische Frühlingsgöttin Ostara und ein gleichnamiges Fest.
  • Es gibt keine historischen Belege für ein solches Fest – die Vorstellung stammt aus spekulativen Rekonstruktionen.
  • Trotzdem wurde die Idee von Ostara von Neuheiden und Wicca übernommen.

Ostara und Alban Eiler

  • Alban Eiler („Licht der Erde“) ist ein neuzeitliches keltisches Fest zur Frühlings-Tagundnachtgleiche.
  • Es stammt aus der modernen keltischen Bewegung und betont das Gleichgewicht von Tag und Nacht.
  • Während es keltische Wurzeln haben soll, fehlen historische Belege für ein solches Fest in der Antike.
  • Alban Eiler und Ostara werden heute in vielen neuheidnischen Traditionen gefeiert.


 

2. Der keltische Jahreskreis und die Rolle von Ostara

Ostara ist eines der acht Feste im keltischen Jahreskreis , der sich an den natürlichen Zyklen der Sonne und Erde orientiert.

Die acht Jahreskreisfeste im keltischen Jahreslauf:

Samhain 31. Oktober -Ahnenfest, Beginn des keltischen Jahres

21. Juli . Dezember - Wintersonnenwende - Wiedergeburt des Lichts

Imbolc 1. Februar - Lichtfest, Rückkehr der Sonne

Ostara 19.–23. März - Frühlingstagundnachtgleiche Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit, Fruchtbarkeit

Beltane 30. April - Fruchtbarkeitsfest, Beginn des Sommers

Litha 21. Juni - Sommersonnenwende - Höchststand der Sonne

Lughnasadh 1. August – Erste Ernte, Dankbarkeit

Mabon 21.–23. September - Herbsttagundnachtgleiche - Erntezeit, Balance von Tag und Nacht

 

Ostara als Wendepunkt im Jahreskreis

Ostara liegt zwischen Imbolc (Lichtfest) und Beltaine (Fruchtbarkeitsfest) . Es ist die Zeit, in der sich das Sonnenlicht durchsetzt und die Natur in voller Kraft erwacht.

Während Imbolc für die ersten Anzeichen des Frühlings steht, ist Ostara der Moment des Gleichgewichts, an dem das Licht endgültig die Dunkelheit besiegt. Danach geht es mit Beltaine in den Hochfrühling über, der das Wachstum und die Fruchtbarkeit der Natur feiert.

 

3. Várblót: Das echte Frühlingsfest im Heidentum?

 

Was ist Várblót?

Várblót ist ein altes nordisches Fest, das im Frühling gefeiert wird. Der Name Várblót setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Vár – der Name der Göttin, die für Fruchtbarkeit, Wachstum und die Erneuerung der Erde zuständig ist – und blót , was im Altnordischen „Opfer“ oder „Fest“ bedeutet. Das Fest war ein Ritual zur Ehrung der Götter und Naturgeister, bei dem Opfergaben dargebracht wurden, um die Fruchtbarkeit und das Wohlwollen der Götter für die kommende Wachstumsperiode zu erbitten. Várblót war eine Zeit der Erneuerung, des Wachstums und des Übergangs vom Winter zum Frühling.


 

Warum feiern Heiden heute eher Várblót als Ostara?

Historische Wurzeln von  Várblót :
Várblót hat starke historische Wurzeln in der nordischen Tradition. Es war ein fest verankertes Ritual, das in alten Quellen und Traditionen dokumentiert ist.

Im Gegensatz dazu basiert  Ostara überwiegend auf spekulativen Rekonstruktionen, die aus den Arbeiten von Jacob Grimm und Beda Venerabilis stammen, ohne klare historische Belege für ein solches Fest.

Verbindung zur nordischen Spiritualität:
Für viele moderne Heiden, insbesondere in den Traditionen des Ásatrú oder nordischen Heidentums, ist Várblót eine authentische Feier, die tief in den spirituellen Praktiken der Vorfahren verwurzelt ist. Diese Praxis ist eine direkte Fortführung der alten nordischen religiösen Traditionen.

Ostara wird dagegen oft von Wicca und neuheidnischen Bewegungen gefeiert, die das Fest mit frühlingshaften Symbolen wie Eiern und Hasen verbinden – jedoch ohne die tiefere religiöse und kulturelle Bedeutung, die Várblót trägt.

Opfer und Rituale: Várblót konzentriert sich auf Opfergaben und Rituale, die den Göttern dargebracht werden, um für das kommende Jahr Wohlstand und Fruchtbarkeit zu erbitten. Diese Rituale sind stark mit der nordischen religiösen Praxis verbunden und beinhalten oft Opfer wie Met, Bier und andere Lebensmittel. 

Bei  Ostara liegt der Schwerpunkt eher auf der Feier des Frühlings mit Symbolen der Erneuerung und des Lichts, wobei der rituelle Charakter und die tiefe spirituelle Bedeutung im Vergleich zu Várblót oft weniger betont werden.

Götter und Symbole:

Bei  Várblót werden insbesondere die nordischen Götter wie Freya und Vár verehrt, während Ostara oft als eine allgemeine Feier von Licht und Wachstum ohne spezifische göttliche Verehrung gefeiert wird.


 

4. Ähnlichkeiten zwischen Ostara und anderen Frühlingsfesten

Ostara ist nicht das einzige Fest, das den Frühling zelebriert. Viele Kulturen haben ähnliche Feierlichkeiten:

Ostern (Christentum)

Feier der Auferstehung Jesu, Symbol für neues Leben

Nowruz (Persien)

Neujahrsfest zur Frühlings-Tagundnachtgleiche, symbolisiert Erneuerung

Holi (Hinduismus)Farbenfest

steht für Fruchtbarkeit und den Sieg des Lichts über die Dunkelheit

Chinesisches Frühlingsfest 

Fest zur Reinigung und Neubeginn, Beginn des neuen Jahres im chinesischen Kalender

Hilaria (Römisches Reich)

Feier zu Ehren der Göttin Kybele, verbunden mit Fruchtbarkeit und Freude

    Die Tatsache, dass so viele Kulturen ähnliche Frühlingsrituale haben, zeigt, wie tief verwurzelt der Wandel der Jahreszeiten im menschlichen Bewusstsein ist.

     

    Fazit

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ostara ein vielschichtiges Fest ist, dessen Ursprung und Bedeutung bis heute nicht eindeutig geklärt sind. Es verbindet historische, spekulative und moderne Elemente und zeigt die tief verwurzelte menschliche Sehnsucht nach Erneuerung und dem Übergang von Dunkelheit zu Licht. Ob als Fest der Fruchtbarkeit und des Lichts im Rahmen des keltischen Jahreskreises, als symbolisches Ritual in modernen heidnischen Bewegungen oder im Vergleich zu anderen Frühlingsfesten weltweit – Ostara und ähnliche Feierlichkeiten erinnern uns daran, wie bedeutend der Wandel der Jahreszeiten für uns ist.

    Letztlich ist es jedoch jedem selbst überlassen, zu entscheiden, was er feiert und an was er glaubt. Ob man sich für die symbolische Bedeutung von Ostara entscheidet, die tieferen spirituellen Praktiken von Várblót bevorzugt oder mit anderen Traditionen in Verbindung tritt, bleibt eine individuelle Wahl. In der Vielfalt der Feste liegt eine Einladung, sich selbst zu reflektieren und mit der Natur und den Jahreszeiten in Einklang zu kommen.

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